En fin – Schlussreflexion

Nach meiner inhaltlichen Schlussreflexion möchte ich noch einmal die letzten Wochen des Schreibens revue passieren lassen, um vielleicht auch Schlüsse für die Zukunft ziehen zu können.

Der anfängliche Plan, vom Generellen ins Konkrete vorzugehen, hat sich als für mich passend erwiesen. Die Orientierung an der Lasswell Formel war zudem eine gute Stütze, vor allem auch um einen gewissen roten Faden beizubehalten. Meine Angst, die Inhalte nicht genügend  theoretisch fundieren zu können, hat sich für unbegründet erwiesen.  Grade neuartige, innovative Thematiken machen das wissenschaftliche Arbeiten und die Theoriesuche meines Erachtens erst interessant.

Die Arbeitsweise mit dem Blog, als eigenes Mittel digitaler Kommunikation über digitale Kommunikation hat sich für mich als nützlich erwiesen, da so auch spontan immer wieder neue Einflüsse einbezogen werden konnten. Für das wissenschaftliche Arbeiten ist der Blog dennoch meiner Meinung nach eher weniger geeignet, denn Lesererwartung und Leseempfinden verlaufen, wie Jan es schon sagt, konträr. Als Mittel des Austauschs in der Learning Community mit meinen Kommilitonen hat der Blog sich allerdings als äußerst hilfreich erwiesen. Probleme konnten so schnell gelöst werden und über die Kommentare ist unter uns echter Dialog entstanden. Und das ist es, was Digitale Kommunikation im Kern ausmacht.  Die Strategie, Basistheorien in der Community schwerpunktorientiert aufzuteilen, um so von den einzelnen Gegebenheiten der anderen zu profitieren und um effizienter zu arbeiten, hat sich als sehr Nützlich erwiesen. Dies war auch immer wieder ein Anreiz die Projekte der anderen zu besuchen.

Inhaltlich glaube ich, gut vorgegangen zu sein. Besonders die Aufteilung des Formats in drei Kommunikationsphasen erachte ich als sinnvoll. Ich hätte zwar prinzipiell gerne noch weitere Formen des Social TV behandelt, dennoch bin recht zufrieden mit dem Erreichten. Die Zukunft bietet diesbezüglich zudem alle Möglichkeiten. Generell bin ich der Meinung, dass Bloggen über einen solch kurzen Zeitraum nur begrenzt sinnvoll ist, aber so ist nun mal die Zielsetzung des Seminars. Ich werde diesen Blog wie anfangs postuliert weiterführen. Das Bloggen an sich empfinde ich als eine probate Art sich mit Themen der digitalen Welt auseinanderzusetzen.

Meine anfangs geäußerten Zweifel über die Stilistik dieses Blogs sind größtenteils verflogen. Ich bin der Überzeugung einen guten Mittelweg zwischen kurzweiligem Schreibstil und Wissenschaftlichkeit beschritten zu haben. Meine Community-Mitglieder haben mir das bestätigt. Ähnlich verhält es sich mit dem schon oben erwähnten roten Faden. Ein Plan, der festlegt, welche Schritte man gehen möchte ist zwar essentiell, dennoch ist es äußerst hilfreich die Augen nach immer neuen Einflüssen offen zu halten und das Portfolio ständig zu erweitern.

Schlussendlich kann ich sagen, dass ich das Bloggen definitiv als Raum der Auseinandersetzung mit für mich interessanten Themen zu schätzen gelernt habe und es nur weiterempfehlen kann. Vor allem auch zur Kreation einer Präsenz des eigenen Schaffens im Internet. Für das wissenschaftliche Arbeiten werde ich mich allerdings wohl wieder auf eine klassische Offlinestruktur zurückbesinnen.

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ZDF login – Absolute Mehrheit, Fazit und Zukunftsaussichten

Ich befinde mich nun zumindest am Ende meiner Reihe für Digitale Kommunikation am Beispiel ZDF login. Daher nun soweit wie möglich ein inhaltliches Fazit:

ZDF login wird seit dem Sendestart 2011 als innovatives Format beworben, dass seine Rezipienten, vorwiegend junge Menschen, mittels Social Media aktiv einbezieht. Diese Aussage hat sich mir während meiner Recherchen durchaus bestätigt. Innovativ ist das Format allemal. Die neue Raab-Talkshow „Absolute Mehrheit“ adaptiert einen Großteil des Konzepts, mit ein paar Änderungen für das Privatfernsehen, relativ erfolgreich.

Zudem ist mir bis zum jetzigen Zeitpunkt kein anderes Format bekannt, welches so aktiv bemüht ist, Soziale Medien in Diskussionen politischen Hintergrunds einzubeziehen, um so die User zu beteiligen. Dies gelingt allerdings leider nur bis zu einem gewissen Punkt.

Wie in den Kommunikationsphasen und in meinem inhaltlichen Zwischenfazit dargelegt, wird vor allem vor der Sendung und nach der Sendung nur wenig bis gar nicht interagiert. Besonders Facebook und Google plus stechen heraus. Kommentar-Moderation und Redaktions – User Interaktion finden praktisch nur einseitig nämlich vom User ausgehend statt.  Hier steht vor allem One-Way- Kommunikation auf der Agenda. Youtube Formate wie „Ponk“ zeigen hier wie es besser geht. Von einem öffentlich-rechtlichen Format mit deutlich mehr Geldmitteln ist hier meines Erachtens mehr zu erwarten.

Ein weiteres Problem sehe ich in der meist dualen Besetzung der Studiogäste. Dies zwingt die Redaktion noch krasser als in anderen klassischen Talkshows dazu, Fronten zu schaffen. Daraus resultiert meist ein Geschacher um die Zuschauermeinung, die hier zudem noch über die sozialen Medien direkt ins Studio übermittelt wird. Ein bis zwei Gäste mehr würden der Sendung sicherlich gut tun.

Ähnlich problembehaftet sehe ich die Integration der User in die Livesendung. Zwar werden in meiner subjektiven Sicht im Vergleich zu anderen Formaten mit einem Social TV-Anspruch, User- Meinungen und Fragen überdurchschnittlich häufig eingebunden, dennoch sehe ich hier noch Steigerungspotential. Bezeichnend ist, dass Social Media Einflüsse erst ab einem gewissen Punkt in der Sendung einbezogen werden. Die Sendungsrubrik login direkt sehe ich hier als Positivbeispiel. Die Diskutanten unter Zeitdruck zu schnellen Antworten auf die Fragen der User zu zwingen ist ein interessanter Ansatz. Ähnlich verhält es sich mit dem Livechat nach der Sendung. Interessierte Nutzer können hier mit den Studiogästen interagieren. Dies funktioniert allerdings wiederum nur mit dem Livechattool des Blogs. Die Twitterviews, die in letzter Zeit häufiger stattfinden wären hier eine gute Erweiterung.

So oder so ist ZDF login als Polit-Format mit seinem Social Media-Einsatz einzigartig und in dieser Hinsicht innovativ. Es könnte meiner Ansicht nach auch problemlos im Hauptprogramm des ZDF laufen. Ein Interview mit ZDF Chefredakteur Peter Frey bestätigt dies.

Social TV ist sicherlich ein Aspekt, der die zukünftige Fernsehlandschaft bestimmen wird. Sowohl für den Werbemarkt als auch für neuartige Nutzensversprechen der Fernsehanstalten ist es unerlässlich die Rezipienten in Sendeformate mit einzubeziehen. Dass ein Bedürfnis danach seitens der Rezipienten besteht, wird durch verschiedene Studien bestätigt. Allerdings gilt es nicht auf Teufel komm raus zu sozial zu kommunizieren. Für Innovationen in der Usereinbindungen besteht definitiv noch Luft nach oben. Formate wie Dina Foxx oder der Tatort zeigen, dass vor allem Unterhaltung ein großes Potential für Soziales Fernsehen bieten. Für Fernsehanstalten heißt das, Entwicklungen voran zu treiben und Mut bei der Implementierung von Innovationen zu beweisen.

Quellen:

Mantel, U. Raabs Polittalk “Absolute Mehrheit” stürzt massiv ab. 2012. Online in Internet. URL: http://www.dwdl.de/zahlenzentrale/39642/raabs_polittalk_absolute_mehrheit_stuerzt_massiv_ab/ ( Abgerufen am 20.02.12)

Beuth, P. “Twitterview” – Experiment des Regierungssprechers misslingt. 2012. Online in Internet. URL: http://www.zeit.de/digital/internet/2012-03/regsprecher-seibert-twitter-interview/seite-1 (Abgerufen am 20.02.12)

Generation Gap – Social TV nur für junge Menschen?

Ich habe in den vergangenen Tagen noch einmal über die Zielgruppen des Formats nachgedacht und bin dabei auf ein generelles Problem von social TV Formaten gestoßen.

Wenn man im Sinne von Relevanz für das eigene Thema von demographischem Wandel spricht, so ist dieser nicht einseitig zu betrachten. Neue, innovative Formate sollen den Öffentlich- Rechtlichen neue, junge Zuschauergruppen einbringen. Aber die reine Konzentration auf junge Zielgruppen kann auch nicht der richtige Weg sein. Der demografische Wandel  lässt sich bekanntlich nicht aufhalten – schon 2050 dürften über 50 Prozent der Bevölkerung im Rentenalter sein.

Sind Menschen ab einem Alter von 50 und mehr Jahren stark genug auf sozialen Plattformen vertreten, um von Social TV Angeboten wie ZDF login zu profitieren?

Ich startete meine Recherche mit der Hypothese, dass ältere Menschen nicht stark genug auf sozialen Plattformen vertreten sind, um einen entscheidenden Mehrwert aus Social TV-Angeboten zu ziehen.

Diese sollte sich schnell als falsch erweisen, wie die folgende Grafik anschaulich beweist:

Link zu Grafik

Die dargestellten Zahlen resultieren zwar aus einer US-Studie, trotzdem ist anzunehmen, dass ein ähnlicher Trend in Deutschland auch stattfindet.

Der subjektiven Eindruck, dass sich der Diskurs in Formaten wie ZDF login dennoch eher in jüngeren Zielgruppen abspielt ist für mich kaum zu leugnen. Ich begründe das zum einen mit der Positionierung der Formate durch die Sender (Siehe Interview mit Peter Frey), zum anderen aber auch mit den Fernsehgewohnheiten älterer Mitbürger. So schalten Menschen mit einem Alter ab 50 Jahren präferiert das Hauptprogramm der ARD (72 %) und das Hauptprogramm des ZDF (70%) ein. Positionierung des  Formats und Sehgewohnheiten verlaufen hier also konträr. (vgl. Hesse-Gottschalk, 2003)

Dennoch erstreckt sich hier sicherlich ein großes Feld für zukünftige Social TV Angebote. Meines Erachtens kann es sich kein Kanal leisten die ältere Zielgruppe für  solche Angebote auszuschließen.

Quellen:

Hesse-Gottschalk, B. 2003. Ältere Menschen und Kommunikationsmedien. S. 34. Online in Internet. URL: http://www.angewandte-sozialwissenschaften.fh-dortmund.de/diederichs/pdfs/Hesse-Gottschalk.pdf (Abgerufen am 12.02.13)

Manx Kommunikationsagentur. 2013. Generation 50+ erobert Social Networks. Online in Interner. URL: http://www.manx.de/generation-50-erobert-social-networks/ (Abgerufen am 12.02.13)

Abbildungen:

Abb1 -Sreenshot – Demographischer Wandel bis 2050 Quelle: http://www.talential.com/blog/social-media/demographischer-wandel-wie-aktiv-ist-die-generation-50-plus-im-social-media/ (Abgerufen am 12.02.13)

Aus gegebenem Anlass – Landtagswahl Niedersachsen / Erfahrungsbericht

Anlässlich der Landtagswahl in Niedersachsen, gab es auch bei ZDF Login eine Diskussionsrunde mit dem für meinen Geschmack etwas zu stark polemisierenden Thema: „geht der Koalition die Puste aus?“

Hierzu waren neben dem JuSo Chef Sascha Voigt der Vorsitzende der jungen Liberalen Lasse Becher und der Spiegelautor Markus Feldkirchen so zu sagen als „neutraler Kommentator“ im Studio zu Gast.

Thematisch machte die Sendung zunächst die selbe Ochsentour, die zuvor schon Frank Plasberg, Anne Will, Günther Jauch und, ach, wie viele andere Talkshows es noch im Deutschen Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen gibt, gemacht hatten.

Ist die Deutsche Politik zum Einheitsbrei verkommen? Lassen sich die Parteien nach Atomausstieg und Energiewende überhaupt noch unterscheiden?

Leider gaben auch die jungen Köpfe der zwei etablierten Parteien darauf keine neuen Antworten. – Man fühlte sich vielmehr an die oben genannten Sendungen erinnert,  in denen statt den Vorsitzenden der Jugendflügel eben die großen Köpfe die ewig gleichen Parteimantras herunterbeteten.

Kurz und knapp: Die Sendung unterschied letztendlich rein gar nichts von den nahezu deckungsgleichen Formaten des Hauptprogramms.

Genervt will ich also den Fernseher ausstellen, frage mich, wo der Anspruch des Formates geblieben ist, eben frischen Wind in die deutsche Talkshowlandschaft zu bringen. Und da passiert es:

Statt die Gäste weiter ihre einstudierten Floskeln herunterbeten zu lassen, beziehen die Moderatoren nach circa zwei Dritteln der Sendung aktiv die Zuschauer via Twitter, Facebook und Blog ein und bitten diese um Stellungnahmen und Fragen an die beiden Gäste. Und diese folgen promt. Eine illustre Debatte über Mindestlohn, Miete und Parteiideale als solche entwickelt sich aus den Fragen und Kommentaren der User. Einige Twitteruser sind sogar so schnell in ihren Fragen und Antworten, dass ein regelrechter Diskurs zwischen Ihnen und den Politikern aufkeimt. Hin und wieder lassen sich beide sogar zu Meinungsäußerungen hinreißen, die so ganz und gar nicht der Parteiräson entsprechen. Ein bisschen frischer Wind also. – Nicht grade ein Sturm, aber immerhin ein Lüftchen.

Quellen: ZDF login vom 23.01.13 zu sehen in der ZDF Mediathek :

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1826580/Geht-der-Koalition-die-Puste-aus

Exkurs: ZDF login tendenziös?

Bei meinen Recherchen für einen der letzten Artikel, bin ich auf einen immer wiederkehrenden Kritikpunkt gestoßen: Vertreter der Regierungsparteien CDU und FDP werden bevorzugt von ZDF login eingeladen.  Dies läge vor allem an der Überhand, die CDU Parteiangehörige im Aufsichtsrat des ZDF haben. Die FDP soll laut Mister EDE im Zeitraum von März 2012 bis November 2012  sogar eine Quote von 36 Prozent der  Politiker gestellt haben. (vgl.Mister EDE, 2012)

Ich fand diesen Einwand interessant und habe deshalb versuchsweise die letzten 10 Sendungen quantitativ nach Gästen und ihrer Parteizugehörigkeit analysiert. Keineswegs kann meine kleine Stichprobe repräsentativ sein, allerdings kann sie möglicherweise eine Momentaufnahme zeigen.

Gästestruktur  von ZDF loginund Parteizugehörigkeit der Gäste im Zeitraum vom 28.11.12 – 20.02.13

Datum der Sendung Gäste:
20.02.13 Heinz J Bontrup, Parteilos Johannes Vogel, FDP
13.02.13 Georg Schwikart, Parteilos Wolfgang Ockenfels, Parteilos
06.02.13 Jan-Marco Luczak, CDU Eva Högl, SPD
28.01.13 Laura Dornheim, Parteilos Maximilian Pütz, Parteilos
22.01.13 Sascha Voigt, SPD Lasse Becker, FDP
16.01.13 Thomas Paulwitz, Parteilos Anatol Stefanowitsch, Parteilos
12.12.12 Phillip Möller, Parteilos Bruder Paulus, Parteilos Bruno Würtenberger, Parteilos
04.12.12 Kathrin Hartmann, Parteilos Thomas Tanklay, Parteilos
28.11.12 Ulf Poschardt, Parteilos Bruno Kramm, Piratenpartei

Es zeigt, dass über diese 10 Sendungen ein CDU Mitglied, zwei FDP Mitglieder, ein SPD Mitglied und ein Mitglied der Piratenpartei Gäste der Sendung waren. Eine statistisch korrekte Analyse dieser Daten würde den Rahmen sprengen, jedoch erkennt jeder Laie ein Übergewicht an Mitgliedern der Regierungsparteien. Keinesfalls kann diese „Erhebung“ allerdings für den gesamten Sendezeitraum von 2011-2013 gelten. Dennoch könnte diese Stichprobe für eine tendenziöse Auswahl der Gäste sprechen.

Ob dieses Ergebnis nun mit dem Übergewicht von Personen im Besitze eines CDU Parteibuchs im ZDF Verwaltungsrat in Verbindung gebracht werden kann, ist an dieser Stelle nicht zu beantworten.

Quellen:

Mister EDE. FDP erreicht bei ZDF login 36 %. 2012. Online in Internet. URL: http://www.mister-ede.de/politik/gasteauswahl-bei-log-in/1477 (Abgerufen am 12.01.13)

ZDF. Verwaltungsrat. Datum unbekannt. Online in Internet. URL: http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=66&artid=17&backpid=10&cHash=092152551626d2830c20db4f74682f5b (Abgerufen am 12.01.13)

Demokratie 2.0?

Die mediale Vermittlung von politischer Bildung ist vor dem Hintergrund zunehmenden Politikverdrusses von immer größerer Bedeutung für die politische Meinungsbildung.

Zwar existiert mit dem öffentlich-rechtlichen Sender Phoenix ein Sender, der alle Plenardebatten live aus dem Reichstag überträgt, dennoch sind die Quoten mit meist unter einem Prozent vergleichsweise gering. Das spricht für ein geringes Interesse der Bevölkerung an den häufig langen Plenardebatten. In Zeiten immer komplexer werdender Sachverhalte ist politische Willensbildung dennoch von äußerster Wichtigkeit. Viele Autoren sprechen vor diesem Hintergrund deshalb von einer so genannten „Mediendemokratie“. (vgl. Meyer, 2003)

Politische Talkshows sind die Stätten der Inszenierung politischer Prozesse. Willensbildung geschieht heute vor dem Fernseher. – Politische Fernsehtalkshows können dabei als kommunikative Ereignisse verstanden werden, bei denen im Rahmen eines bestimmten Sendungskonzeptes Personen zusammenkommen, die für die zuschauenden Rezipienten ein Gespräch führen. (vgl. Dörner, 2001).

Talkshows und in einem weitaus größeren Ausmaß den beteiligten Politikern, wird im Rahmen der Diskussion um die „Mediendemokratie“ vorgeworfen vor allem nur sich selbst zu inszenieren und politische Inhalte auf ein Minimum an Komplexität zu reduzieren, um sich so vor einem Millionenpublikum zu profilieren. Talkshows gelten als Hilfsparlament der Republik. (vgl. Schnibben, Cordt, 2008)

 Kann ein Format wie ZDF login, in dem neben Akteuren öffentlichen Interesses auch die Zuschauer als User aktiv am Diskurs teilnehmen, einen höheren Beitrag zur politischen Willensbildung leisten als klassische Talkshows?

In einer politischen Talkshow sprechen meist Politiker und/oder Personen des öffentlichen Interesses mit einem oder mehreren Moderatoren über aktuelle politische Themen. Aufgrund kurzer Sendezeiten müssen Inhalte auf prägnante Kernaussagen reduziert werden, sodass die Diskussion weniger der Sache dienen als der Person, die sie führt.

Abb.1 talkshow klassisch - eigene Grafik

Abb.1 Modell Talkshow klassisch – eigene Grafik

Hinzu kommt, dass die polit-Prominenz aufgrund ihres Nachrichtenwerts meist Vorrang erhält. (vgl. Dörner 2001, S. 141) Dabei ist Selbstinszenierung schon seit der Antike entscheidender Teil der Politik. Denn jener, der Wahlen gewinnen will, muss Menschen für sich gewinnen. (vgl. . Falter 2002) Selbstinszenierung in politischen Talkshows ist daher nur konsequent weitergedacht.

Dem Uses & Gratification Approach zufolge, wählen Rezipienten Sendungen aktiv aufgrund ihrer persönlichen Bedürfnisse aus. Auf ZDF login gemünzt lässt sich der Ansatz meiner Auffassung nach um den Faktor der Beteiligung erweitern. Wie die Sachlage zeigt gibt es anscheinend Menschen mit dem Bedürfnis sich aktiv am politischen Diskurs zu beteiligen.

Wie verändert sich also eine Talkshow wenn Rezipienten als User aktiv am Sendeverlauf teilnehmen? Diese Frage gibt Anlass für neue Fragen: In wie fern haben User überhaupt die Möglichkeit aktiv auf den Sendeverlauf einzuwirken?

Abb2. modell ZDF loginGrafik selbst erstellt

Abb2. Modell ZDF login
Grafik selbst erstellt

Alle Statements, Fragen, Antworten und Anregungen der User egal ob über Twitter oder Livechat übermittelt, durchlaufen eine Redaktion, die diese der Situation in der Sendung entsprechend anpasst. Zudem wird die Redaktion und die Moderatoren gut daran tun ihre Gäste nicht zu hart in die Mangel zu nehmen, sodass auch in Zukunft vermeindlich wichtige Menschen an der Sendung teilnehmen möchten. Eine klare Antwort auf die zweite oben gestellte Frage ist also ohne entsprechende quantitative / qualitative Forschung gar nicht zu treffen. Ähnlich verhält es sich mit der ersten oben gestellten Frage. Ohne weitergehende Forschung ist eine Antwort hier faktisch unmöglich. Subjektiv, nach dem Konsum einiger Sendungen komme ich zu dem Ergebnis, dass die Teilnahme der User wenig ändert. Einzelnen Usern wird sicherlich ein Sprachrohr  gegeben. Dennoch unterliegt auch dieses Format den generellen Maßstäben einer Talk-Show.  Dass die Sendung nur für zwei, sich förmlich duellierenden Gästen konzipiert ist, trägt sicherlich dazu bei. Ähnlich verhält es sich mit dem Fakt, dass die User gen Ende der Sendung aufgefordert werden, über Gewinner und Verlierer Abzustimmen. Das mag zwar einer jugendlichen Zielgruppe gefallen.- Förderlich für eine objektive Debatte, die über Parteipolitik und extremer Selbstinszenierung steht, ist es aber sicherlich nicht.

Dennoch sehe ich großes Potential in der Interaktion von Bürgern, die über soziale Medien einen Zugang zum politischen Diskurs finden, mit Politikern. Ein Format wie ZDF login kann hier sicherlich auch Ansporn sein. Eine Fernsehsendung gibt nun mal ein gewisses Korsett vor, das sich aus Unterhaltungs- und Zeitdruck zusammensetzt. Entscheidend ist, dass es Menschen dazu bringt sich mit Politik auseinanderzusetzten. Von daher trägt das Format, egal wie boulvardesk oder redaktionell gefiltert, zwangsläufig, sobald es von einer größeren Öffentlichkeit konsumiert wird, auch zur politischen Willensbildung bei. Ob nun besser oder schlechter kann an dieser Stelle nicht hinreichend beantwortet werden.

Quellen:

Dörner, Andreas: Politik als Fiktion. In: Aus Politik und Zeitgeschichte: Inszenierte Politik. 7/2006. S. 3-11.

Falter, Jürgen W.: Politik als Inszenierung – Ein Essay über die Problematik der Mediendemokratie in 24 Punkten. In: Alemann, Ulrich von/Marschall, Stefan (Hg.): Parteien in der Mediendemokratie. Wiesbaden 2002. S. 420-430.

Mayer, T.:Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ).2003. S. 12–19

Schnibben, Cordt. Die 60-Minuten Demokratie. 2008. Online in Internet. URL: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-57119346.html (Abgerufen am:  05.01.13)

Abbildungen:

Abb.1 : Modell Talkshow klassisch – eigene Grafik

Abb.2 : Modell ZDF login – eigene Grafik

Social Media – und dann? Ein Zwischenfazit zum Thema.

Wie ich es in den vergangenen drei Artikeln dargelegt habe, setzt sich die digitale Kommunikation seitens und über das Format ZDF login aus drei Phasen zusammen. Hierfür werden die Kanäle Blog, Facebook Google plus und Twitter genutzt. Doch welchen Zwecken dienen die einzelnen Kanäle und wie Konsequent werden sie genutzt?

Es hat sich gezeigt, dass sowohl Facebook, als auch Google plus vor allem dazu dienen, unter denjenigen, die die jeweilige Fanpage mit einem „Like“ bzw. einem „+1“ markiert haben, Aufmerksamkeit zu schaffen. Das heißt die Reichweite der beiden Netzwerke zu nutzen, um Awareness für den Blog zu kreieren.

Diskussion oder Diskurs findet so gut wie gar nicht statt. Das heißt, dass zwar vereinzelt Fragen zum jeweilig relevanten Thema an die User gerichtet werden aber der häufig kontorversen Diskussion unter den Usern, die daraufhin beginnt, weiterhin keine Beachtung geschenkt wird. Weder die Redaktion, noch die späteren Studiogäste schalten sich hier moderierend oder dem Diskurs beitragend ein, weshalb dieser meist ins Leere läuft. Für ein Format, das seine Existenzberechtigung zum Teil auch aus den Sozialen Netzwerken ableitet ist das in meiner Auffassung etwas wenig (Bei Anne funktioniert dies anscheinend einwandfrei.)

Zentrale Kommunikationsplattform, so hat es sich im laufe meiner Recherchen herausgestellt, ist der Blog. Er vereint als einziger Kanal mit Begleittexten, Kommentarfunktion und Livechat konsequent alle drei Kommunikationsphasen auf sich. Wie schon oben erwähnt dienen Facebook und Google plus dazu, Aufmerksamkeit auf selbigen zu lenken. Dennoch werden auch hier Diskussionen in Kommentarform während aller drei Kommunikationsphasen seitens der Redaktion faktisch nicht beachtet. So wie es scheint, ist dies ein strukturelles Problem des Formats. Dennoch offenbart es auch, wie sich die gesamte Interaktion seitens der Redaktion vor allem auf die Livesendung konzentriert.

Twitter ist wohl der Kanal, der aus subjektiver Sicht (eine quantitative Analyse würde den Rahmen sprengen) die höchsten Interaktionsraten unter den Usern aufweist. Dies führt auch zu kreativen Weiterführungen des Konzepts, wie etwa das zeitsynchrone Nebeneinanderlegen des Twitterfeeds und der Sendung.

Auffällig ist auch, dass sich die Redaktion hier vereinzelt in Diskussionen einschaltet und Userfragen beantwortet. Eine probate Erklärung für diese Diskrepant zwischen Facebook /Google plus und Twitter ist mir derzeit nicht ersichtlich. Allerdings ist Twitter neben dem Livechat des Blogs der einzige Kanal mit direktem Einfluss während der Sendung. Tweets mit dem Hashtag #zdflogin fließen redigiert in den Diskurs ein. Dies lässt möglicherweise auf eine höhere Wertschätzung seitens der Redaktion schließen.

Wie oben kurz angerissen empfinde ich es als inkonsequent zwar mit Social Media als zentrales Nutzenversprechen zu werben, aber dies nur halb umzusetzten. Logischerweise muss ein Format mit Ressourcen ökonomisch umgehen und Schwerpunkte setzten, dennoch glaube ich, dass ein stärkeres Einbeziehen der Vor- und Anschlusskommunikation in das Format einen Mehrwert bieten könnte.

Quellen:
RumFunkRevival. Youtube. 2012. Online in Internet. URL: https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=vLb2OPwwvwo (Abgerufen am 20.12.12)