Rezipient versus User

Ich habe im letzten Artikel kurz das erste Problem angedeutet, welches ich bei der Beschreibung des Formates hatte. Wer ist nun eigentlich Rezipient im klassischen Sinne und wer ist “User” – oder ergibt sich gar eine neuartige Mischform? Wer sind Kommunikatoren?

Merten beschreibt den Rezipienten als Komplementär des Kommunikatoren. Er setzt dafür  nach dem “Uses and gratification Approach”  den aktiven  Rezipienten vorraus. Der aktive Rezipient ist dabei derjenige, der aufgrund eigener Kriterien Medienangebote auswählt und rezipiert. (vgl. Merten, 2007)

Rezipient ist folglich derjenige, der aktiv zur Sendezeit entweder ZDFinfo oder Livestream anschaltet oder die Sendung Zeitversetzt via Mediathek ansieht.

“User”, aus dem Englischen Anwender ist wie sich aus dem Namen ableiten lässt derjenige, der die ihm gebotenen Onlineangebote nutzt um sich aktiv an einem Diskurs beteiligen. Oder kann nicht auch der- oder diejenige, der/die sich aufs Sofa setzt um einfach den Diskussionen zuzuhören ein “User” sein?

Nach ausgiebiger Recherche muss ich feststellen, dass sich weder in der einschlägigen Literatur noch im via google scholar eine probate Defintion des “Users” finden lässt.

Jedoch wird der “User” immer wieder in Verbinding mit dem so genannten “user generated content”, also Inhalte und Medien, die von Nutzern auf Webseiten selbst erstellt werden, genannt.Deshalb erlaube ich mir im Folgenden eine eigene Abgrenzung der beiden Termini, welche ich auch für den weiteren Verlauf auf diesem Blog beibehalten werde.

Der Rezipient ist also jener, der sich aktiv ein Medienangebot aussucht, aber nicht aktiv über etwaige Beteiligungstools an der inhaltlichen Gestaltung der Sendung teilnimmt. Der User muss nicht zwangsläufig Rezipient sein, jedoch beteiligt er sich zumindest auf einer der angebotenen Plattformen (Blog, Facebook, Twitter, The European) aktiv am Diskurs, gibt Anregungen oder stellt Fragen. Zumindest aber erstellt er Inhalte in Form von Text-, Audio-, Video- oder Audiovisuellen Beiträgen. Folglich wird der User meist auch ein Rezipient sein, muss dies aber nicht zwangsläufig. Ein Rezipient der Sendung braucht dementsprechend auch kein User zu sein.

EDIT vom 23.01.13: Sarah weist in einem sehr interessanten Artikel auf die Nutzertypologie “lean back” hin, welche durch die Kommunikationswissenschaftler Hachmeister und Zabel beschrieben wurde. In Analogie dazu typisiert der Blogger Guido Bülow den “Lean forward- Nutzer”. Beide Typologien lassen sich auf die oben vorgenommene Definition anwenden. Dabei entspricht meine Definition des Rezipienten der des “Lean-back-Nutzers”, die des Users wiederum der des “Lean-forward-Nutzers.

Quellen:

Merten,2007, Einführung in die Kummunikationswissenschaft, LIT Verlag Münster

Eckerlein,S. (2012). Lean back oder interact? Online in Internet. URL: http://digikommdigitv.wordpress.com/2012/12/15/lean-back-oder-interact/comment-page-1/#comment-11 (Abgerufen am 23.01.13)

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About Jonas Baum

Student der Medien- und Kommunikationswissenschaft im 5. Fachsemester

15 responses to “Rezipient versus User”

  1. tinatimes91 says :

    Hey Jonas, super Abgrenzung der Begriffe Rezipient und User. Das hat mir auch für mein Format weitergeholfen. Allerdings musste ich das aus einer anderen Sichtweise betrachten, da die Zuschauer von “Berlin Tag und Nacht” den Inhalt der Serie nicht sktiv mitgestalten können. Vielleicht kannst du dich kurz zu meiner Sichtweise äußern: http://tinatimes91.wordpress.com/2013/02/25/die-veranderung-der-fernsehkultur-am-beispiel-berlin-tag-und-nacht/

    • Jonas Baum says :

      Interessant! Natürlich ist diese Einteilung in Lean Back / Lean forward Rezipienten / User nicht für jedes Format sinnvoll, denn jedes Format ist logischerweise von seinen Machern anders ausgelegt.

  2. sarsop says :

    Schöne Abgrenzung, ich habe das mal so übernommen und die Begriffe jetzt bei mir auch so in Verwendung. Wie funktioniert das mit den Pingbacks denn? dann könnte ich den Artikel auch direkt verlinken 🙂 (http://digikommdigitv.wordpress.com/2012/12/05/interaktion-und-seine-bedeutung-fur-on-tape/)

  3. Anne Kiefer says :

    Ich habe auch versucht die Zuschauer von meinem gewählten Format Ponk als User oder Rezipient einzustufen. Leider ist meine Abgrenzung nicht ganz so eindeutig möglich wie bei dir! Gute Argumentation! HIer mal der Link zu meinem Eintrag: http://anneueberdigikomm.wordpress.com/2013/01/14/rezipient-oder-user-oder-vielleicht-auch-beides/

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